gestern | heute | morgen | 19. Mai | 20. Mai | 21. Mai | 22. Mai | 23. Mai | 24. Mai |

Als Liste

11 Hörspiele im Zeitraum Donnerstag, 17. Mai 2012

Das Schlaraffenland
Sendetermine: MDR Figaro - Donnerstag, 17. Mai 2012 07:05, (angekündigte Länge: 29:55)
Autor(en): Ludwig Bechstein (Deutschland *1801 †1860)
Produktion: DDR 1959 30 Min. (Stereo) - Bearbeitung Literatur
Genre(s): Kinderhörspiel
Regisseur(e): Fritz Göhler
Bearbeiter: Barbara Winkler
Inhaltsangabe: Mit ihrem Haus, einem Garten, ein paar Tieren und dem kleinen Krämerladen sind sie froh und zufrieden, der Stoffel und seine Frau, das Käthchen. Bis eines Tages, die dicke Frau Immerlein kauft gerade bei ihnen fürs Kuchenbacken ein, die Neureichs in ihrer Kutsche vorfahren. So wie sie möchte Käthchen nun auch leben. Keine Sorgen mehr ums Geldverdienen, sich nur noch dem Vergnügen hingeben! Ein Glück, dass Herr Müßiggang gerade neue Untertanen für seinen König sucht und sie zum Milchreisberg führt. Als sie es endlich geschafft haben, sich da durchzuessen - denn nur so kommt man, wie jeder weiß, ins Schlaraffenland - warten einige Überraschungen auf die beiden ...
Mitwirkende: Erzähler: Peter Sturm
Käthchen: Ingeborg Chrobok
Stoffel: Wolfgang Lippert
Links: Mailformular für Ergänzungen zu diesem Titel
Druckausgabe (PDF)
Gespensterlied
Sendetermine: DLR - Donnerstag, 17. Mai 2012 14:05 Teil 1/2, (angekündigte Länge: 50:50)
Autor(en): Wieland Freund (BRD *1969)
Produktion: DLR 2006 104 Min. (Stereo) - Bearbeitung Literatur
Genre(s): Kinderhörspiel
Kinderhörspiel ab 8 Jahre
Regisseur(e): Götz Naleppa
Bearbeiter: Gabriele Neumann
Komponist(en): Frieder Butzmann
Inhaltsangabe: Malte ist 12 Jahre alt, lebt in einem kleinen Dorf und langweilt sich oft. Das ändert sich, als Gottfried auftaucht. Er ist so alt wie Malte und wegen der Beerdigungsfeier seines Onkels in das Wirtshaus gekommen, das Maltes Eltern gehört. Gottfried stammt aus einer alten Adelsfamilie und glaubt, dass ein Fluch auf seiner Familie lastet.

Es gibt Andeutungen, aber keiner spricht darüber. Gottfried braucht Maltes Unterstützung. Feldeisen, der merkwürdige Friedhofswärter, scheint hinter all dem zu stecken. Gottfried will um Mitternacht auf den Friedhof gehen, um genaueres herauszufinden. Und Malte soll mitkommen.



Gottfried und Malte sind dem Fluch, der auf Gottfrieds Familie lastet, auf die Spur gekommen. "Baldanders", ein guter Geist, hat ihnen einen Stuhl geschenkt und sie vor Feldeisen, dem Friedhofswärter, gewarnt. Der Stuhl funktioniert wie eine Zeitmaschine, mit der die beiden in die Vergangenheit reisen können. Sie wollen zum Anfang des Fluches zurück und ihn ungeschehen machen.

Sie reisen ins Weimar der Goethezeit, treffen im Schwarzwald den Erfinder ihrer Zeitmaschine und landen schließlich in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges in Magdeburg. Und immer, wenn einer der Jungen aufgeben will, dann hat der andere einen rettenden Einfall.
Mitwirkende: Joshua Thiemann, Odi Zahavi, Otto Mellies, Götz Schulte, Martin Seifert, Christian Gaul, Lars Rudolph, Max Volkert Martens, u.a.
Links: Externer Link Homepage Frieder Butzmann
Mailformular für Ergänzungen zu diesem Titel
Druckausgabe (PDF)
... aber grundschlechte Leut'!
Sendetermine: ORF Ö1 - Donnerstag, 17. Mai 2012 16:00 Teil 1/5 (Ursendung)
Autor(en): Roland Knie ()
Auch unter dem Titel: Eine Hörspiel-Hommage an Johann Nestroy zu seinem 150. Todestag in fünf Kapiteln (Untertitel)
Produktion: ORF 2012 ca. 300 Min. (Stereo) -
Inhaltsangabe: 1: "Eine Wohnung ist zu vermieten in der Stadt. Eine Wohnung ist zu verlassen in der Vorstadt. Eine Wohnung mit Garten ist zu haben in Hietzing." In diesem umständlichen Titel aus dem noch zutiefst vormärzlichen Jahr 1837 ist der - man könnte sagen: zinsgewordene - soziale Zorn des damals 36jährigen Nestroy in nuce konserviert. Und damit auch sein erster großer Misserfolg auf dem Theater. Sie pfiffen ihm aber den Herrn Gundelhuber aus, den bösartigen Kapitalisten, nicht den menschlich mindestens so grauslichen Hausmeister. Und sie wussten vermutlich, warum. Dieser Gundelhuber, dem selbst der krawutige Hausmeister Kajetan Balsam(!) nicht die Giftspritzen reichen kann, hatte schon auf dem damaligen Theaterzettel keinen Vornamen. Was ihn unkenntlich machte als Prototyp des Herrn Karl. Aber nur dem Namen nach. Die schönsten Schiachitäten aus der dazumaligen Wienerstadt zwischen ganz drinnen und ganz draußen - dargebracht, anno 1962, von (unter Anderen) Fritz Muliar und Helmut Qualtinger.
mit Ausschnitten aus der Hörspielproduktion 'Eine Wohnung zu vermieten', ORF-Wien 1962.

2: "Der Talisman" - Die berückende Peruck'n gegen 's allgemeine Ducken.
Nestroys erstes dramatisches Meisterstück aus dem Jahr 1840 spielt auf dem Landgut der Frau von Zypressenburg, "nahe einer großen Stadt". Diese ironische Distanz zu Wien ist nicht zufällig - Nestroy erwähnt die Hauptund Residenzstadt seines Misstrauens auch in Hinkunft nur mit aufreizender Beiläufigkeit. Wozu auch - Gerade beim "Talisman" weiß man, dass so was in Wien, aber auch in der weiteren und durchaus auch in der allerweitesten Umgebung zu spielen pflegt. Nur in Wien hat besonders...
Mit Peter Weck als Titus Feuerfuchs.
mit Ausschnitten aus der Hörspielproduktion 'Der Talisman', ORF-Wien 1966.

3: "'S möchte dem Himmel höllenangst wer'n dabei", nämlich dabei, wie man mit diesem Genieblitz Nestroys aus allgemein wechselnder Bewölkung, post revolutionem, 1849, umgegangen ist.
Die "Höllenangst" ist gewiß nicht Nestroys dramaturgisch stärkstes Stück - aber ein quasi indirekt prophetisches: Seinerzeit durchgefallen und fast hundert Jahre lang (!) nie mehr gespielt, haben die ausgesprochen pragmatischen Ängste des Flickschusters Pfrim und seines hoffnungsvollen Buben vor des Teufels teuflischer Gegenwart ihre ausgesprochen politische Tauglichkeit erwiesen: Sowohl 1948, als die hiesigen Partei-Kommunisten ausgerechnet die "Höllenangst" zum revolutionären Zeugnis des allzeit konservativen Meisters des Misstrauens ummodeln wollten und damit krampfhaft scheiterten - als auch 1961, als man endlich auf die Idee kam, Hans Moser diesen Pfrim spielen zu lassen und damit mit beinah märchenhafter Leichtigkeit den Gipfel der Satire erklomm.
Hans Moser und sein Sohn Hans Putz -: "I lass' mir mein' Aberglaub'n / von kaner Aufklärung raub'n!"
mit Ausschnitten aus der Hörspielproduktion 'Höllenangst', Theater in der Josefstadt / Österreichischer Rundfunk, 1961.

4: "Eine verwickelte Geschichte" ist das eigentlich gar nicht, was Johann Nestroy da - wiederum postrevolutionär und vor allem den deutschnationalen Brüdern seit 1848 hörbar schlecht gesonnen - 1850 zu Papier und auf die Bühne brachte. Es ist eigentlich ganz einfach - Wenn nicht ein und die selben Leut' plötzlich, wenn sich's ergibt und nützlich erscheint, was völlig Anderes reden täten. Es ist infam, hinterfotzig und gemein - ein Blumensträußchen, wie's nicht nur, aber vorzüglich bei uns in den Bierführern und hinter die Hollerbuschen wachst... Eine Möglichkeit übrigens, den faszinierenden Nestroy-Darsteller Hugo Gottschlich wiederzuhören.
mit Ausschnitten aus der Hörspielproduktion 'Verwickelte Geschichte', ORF-Wien 1952.

5: "Vent du soir" hieß das operettige Spiel von Jacques Offenbach, und die damals in der Unterhaltungsund Showbranche grassierende "Menschenfresser"-Mode tat das ihre dazu, dass der "Häuptling Abendwind", im Jänner 1862, Nestroys Todesjahr, herausgekommen, auch sein letzter Erfolg wurde.
Offenbach - zu dessen Erfolg in Wien Nestroy als umwerfend komischer "Jupiter" in der "Unterwelt" wesentlich beigetragen hatte - verschaffte dem ganzen aber nur die Grundierung: Nestroys satirischer Witz entzündete sich, wie sich's gehört, an den winzigen Abrückungen, Seitenhupfern, bei Bedarf aber auch bösartigen Abschweifungen vom ursprünglichen Unterhaltungstext - und hat auch gar nichts Zivilisatorisch-Rückblickendes an sich: Denn nämlich nicht nur die Liebe, auch die Menschenfresserei höret, wie immer man sie sprachregeln möge, nimmer auf. Mit den Häuptlingen Fritz Muliar und Harry Fuss.
mit Ausschnitten aus der Hörspielproduktion 'Häuptling Abendwind', ORF-Wien / BR / NDR 1962.
Mitwirkende: Präsentation: Cornelius Obonya
Links: Mailformular für Ergänzungen zu diesem Titel
Druckausgabe (PDF)
Ein Abend im Club
Sendetermine: SWR 2 - Donnerstag, 17. Mai 2012 18:20, (angekündigte Länge: 61:00)
Autor(en): Christian Gailly (Frankreich *1943)
Produktion: SWR 2004 61 Min. (Stereo) - Bearbeitung Literatur
Regisseur(e): Norbert Schaeffer
Bearbeiter: Norbert Schaeffer
Übersetzer: Doris Heinemann
Inhaltsangabe: Wer kennt sie nicht, diese uralte Sehnsucht nach einem Wendepunkt im Leben, nach Neuanfang? Ein paar Zufälle nur, und alles wird anders, wendet sich zum Glück... Ahnte Simon Nardis, dass er seinen letzten Zug nach Paris verpasste, um eine letzte Chance im Leben nicht zu verpassen? Eine doppelte Chance: die, wieder zur Musik zurückzufinden, die von ihm verraten wurde, und die, eine neue Liebe zu finden, auf die er nicht mehr gehofft hatte. Nur, wer Zug sagt, sagt auch Abfahrtszeit, und wer Abfahrtszeit sagt, sagt auch Moral, und wer Moral sagt, sagt auch Eheleben. Und Simon Nardis war verheiratet... Eine Geschichte von Sehnsucht, vom Mut des Aufbruchs und der Tiefe eines späten Glücks.
Mitwirkende: Rüdiger Vogler, Christian Redl, Krista Posch, Jan Schreiber, Eva Mattes, Patrick Heppt, Michael Speer, Florian von Manteuffel, u.a.
Links: Mailformular für Ergänzungen zu diesem Titel
Druckausgabe (PDF)
Unter der Erde
Sendetermine: DLR - Donnerstag, 17. Mai 2012 18:30, (angekündigte Länge: 61:50)
Autor(en): Wolfgang Hildesheimer (BRD *1916 †1991)
Produktion: NDR/BR 1961 62 Min. (Mono) - Originalhörspiel dt.
Regisseur(e): Heinz von Cramer
Inhaltsangabe: Unter der Erde, beim Umgraben im Garten, entdeckt ein Ehepaar, dem die Gemeinschaft längst zur Qual geworden ist, einen geheimnisvollen Gang. Jeder gibt dem anderen gegenüber vor, diesen Gang durchschritten und unter der Erde ein sonderbares Marmorschloß gesehen zu haben Doch sie glauben einander nicht. Mißtrauisch und zweifelnd, aber verlockt von dem undefinierbaren Geheimnis, das hinter den vagen Beschreibungen sein könnte, steigen sie schließlich gemeinsam hinunter. Das Schloß zeigt sich ihnen nicht; dafür ist, als sie wieder zurück wollen, der Ausgang verschüttet. In der Todesgefahr finden die beiden zerstrittenen Eheleute plötzlich zueinander. Als sie jedoch einen rettenden, zweiten Ausgang entdecken, beginnen die alten Streitereien von neuem.
Mitwirkende: Mann: Heinz Reincke
Frau: Ruth Hellberg
Links: Mailformular für Ergänzungen zu diesem Titel
Druckausgabe (PDF)
Jacky & Grimm
Sendetermine: WDR 5 - Donnerstag, 17. Mai 2012 19:05 Teil 3/5 (Ursendung)
Autor(en): Patrick Lenz ()
Simon Santschi (Schweiz *1977)
Auch unter dem Titel: Am Flughafen (1. Teil)
Im Café (2. Teil)
Im Aquarium (3. Teil)
In den Bergen (4. Teil)
Im Fußballstadion (5. Teil)
Produktion: WDR 2012 ca. 45 Min. (Stereo) - Bearbeitung Literatur
Genre(s): Kinderhörspiel
Regisseur(e): Christoph Pragua
Bearbeiter: Ulla Illerhaus
Inhaltsangabe: Der Hund Jacky und der Dachs Grimm sind beste Freunde und sie machen gerne Ausflüge, die meistens ganz harmlos beginnen, im Verlauf jedoch im totalen Chaos enden: Auf dem Flughafen gerät plötzlich das gesamte Gepäck durcheinander, im Café bekommen die Gäste anstatt Erdbeertörtchen Tomaten mit Sahne und im Fußballstadion rennt Grimm einfach erbost aufs Spielfeld, um dem Schiedsrichter die rote Karte abzunehmen. Jacky ist es, der dann seinen Freund Grimm im größten Trubel an die Pfote nimmt, um sich mit ihm aus dem Staub zu machen.
Links: Mailformular für Ergänzungen zu diesem Titel
Druckausgabe (PDF)
Die künstlichen Paradiese
Sendetermine: RB Nordwestradio - Donnerstag, 17. Mai 2012 20:05, (angekündigte Länge: 79:39)
Autor(en): Charles Baudelaire (Frankreich *1821 †1867)
Produktion: RB/HR/RBB/SR 2011 80 Min. (Stereo) - Originalhörspiel dt.
Sprache: Deutsch/Französisch
Regisseur(e): Kai Grehn
Bearbeiter: Kai Grehn
Übersetzer: Max Bruns
Schlagwörter: Rausch
Haschisch
Charles Baudelaire
Wahrnehmung
Bewußtseinserweiterung
Droge
Inhaltsangabe: "Der gesunde Verstand sagt uns, daß die Dinge der Erde nur sehr wenig Realität besitzen und daß es Wirklichkeit einzig in den Träumen gibt. Um das natürliche wie das künstliche Glück zu verdauen, braucht es zunächst einmal den Mut, es hinunterzuschlucken..."
Die Werke des französischen Dichters Charles Baudelaire (1821-1867) inspirieren bis heute Künstler auf der ganzen Welt. Sein Essay "Die künstlichen Paradiese" von 1860 ist ein leidenschaftliches Plädoyer für den Rausch, die Fähigkeit und Bereitschaft des Menschen zum Ausnahmezustand des Geistes und der Sinne.
150 Jahre später hat Kai Grehn Baudelaires Text adaptiert und für den Schauspieler Alexander Fehling neu eingerichtet und zahlreiche Bands, Musikerinnen und Musiker gebeten, sich von Baudelaires Prosagedicht 'Enivrez-Vous' ('Berauscht euch') inspirieren zu lassen für ein Musikstück. Die Schauspielerin Jeanne Moreau hat Baudelaires 'Enivrez-Vous' zudem im französischen Original eingesprochen. Wort und Musik wurden anschließend klanglich rhythmisiert und strukturiert zu einem akustischen Fest für und mit Baudelaires Texten, zu einem Berauschen an seiner Poesie: "Es ist die Stunde des Rausches! Willst du als geschundener Sklave der Zeit nicht unterliegen, berausche dich! Berausche dich ohne Maß! Mit Wein, mit Poesie oder mit Tugend, ganz wie du magst!".
Mitwirkende: Alexander Fehling, Jeanne Moreau, Jule Böwe
alva noto, Anne Clark, Gevorg Dabaghyan, Matt Elliott, Mariahilff, Nouvelle Vague, Helmut Oehring, Original Kocani Orkestar, Sandow, Tarwater, Tuxedomoon, Ulver
Links: Externer Link Hörspiel-Homepage
Mailformular für Ergänzungen zu diesem Titel
Druckausgabe (PDF)
Veit
Sendetermine: BR 2 - Donnerstag, 17. Mai 2012 21:00, (angekündigte Länge: 55:15)
Autor(en): Thomas Harlan (BRD *1929 †2010)
Produktion: BR 2011 56 Min. (Stereo) - Originalhörspiel dt.
Regisseur(e): Bernhard Jugel
Inhaltsangabe: "Ich bin der Sohn meiner Eltern. Das ist eine Katastrophe. Die hat mich bestimmt." Diese Aussage von Thomas Harlan, Sohn von Veit Harlan, dem Regisseur des antisemitischen Films Jud Süss, fasst kurz und prägnant zusammen, was ihn sein Leben lang bewegte, was ihn quälte: unendliche Schuld und unendliche Scham. Für die Taten seines Vaters. Für die Shoah. Bis zu seinem Tod, am 16. Oktober 2010 in Berchtesgaden, hat Thomas Harlan immer aufs Neue versucht, verzweifelt, provokant, bisweilen aber auch bösartig, sich dieses "seines Erbes" zu entledigen, es analysierend abzustreifen, es von sich zu weisen. Dann aber, vom 31. Mai bis zum 4. Juni 2010, fünf Tage ununterbrochen diktierend, sein letzter Brief, ein Brief an den Vater: "Sage, Vater, sage nicht, es könne niemand die Verantwortung für die Taten eines Dritten übernehmen. Es kann. Sage, Vater, sage nicht, es könne niemand die Verantwortung für die Taten eines Dritten übernehmen, der selbst keine Verantwortung für seine Taten zu haben denkt. Es kann." Thomas Harlans Veit ist ein Vermächtnis. Nicht allein sein Leben betreffend. Harlan legt den Finger tief in die deutsche Wunde, es gibt längst kein Entkommen mehr: "Wenn Du Deine Verantwortung nicht trägst, gestehe ich sie mir ein, ich übernehme sie an Deiner statt, auch wenn Du nicht willst, wenn Du Dich sträubst. Vater, sträube Dich nicht..." Veit ist ein Klagegesang, ein Lamento, Veit ist aber auch Mitgefühl: "Du hast jahrelang gelitten unter Gewichten, die zu schwer waren für einen Menschen allein. Du warst ein Mensch allein." Und zugleich das unermüdliche Pochen auf die Wahrheit, unbarmherzige Bilanz: "Verzeih, dass ich Dich vergessen hatte, dass ich Dir meine Treue entzog und meine Sohnesliebe, dass ich an Dir entlang ging, als seiest Du nur eine Landschaft, ein Abgrund, als hätte ich verhüten wollen, in ihn zu stürzen, in Dir umzukommen. Ich bin in Dir umgekommen."
Wer Thomas Harlans verstörende Romane Rosa (2000) und Heldenfriedhof (2006) gelesen, wer seinen grandiosen Film Wundkanal (1984) und auch Notre Nazi (1984) gesehen hat, weiß, dass er sich auch selbst nicht geschont hat: "Ich habe verhütet, gerettet zu werden. Ich wurde nicht gerettet." So weit aber ist er noch nie gegangen: "Vater, Du Geliebter, Verstockter, höre doch! Ich habe Deinen Film gemacht. Ich habe einen schrecklichen Film gemacht. Ich habe Jud Süß gemacht. Ich habe das Scheusal Werner Krauss erfunden." Und am Ende: "Ich habe Dich geliebt. Lass mich Dein Sohn sein, Dein ältester, lass mich. Dein Sohn." Spät eingestanden, nachgetragen ist diese Liebe. Liebe als Hoffnung: denn sie allein verändert die Welt, zum Guten.

Mit einer Einführung von Michael Farin: Kunst und Schuld
Expertenkommentar: Hörspiel des Monats März 2011, Begründung der Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste:
"»Veit« ist ebenso Höhepunkt wie Abschluss des Werks von Thomas Harlan.
Der im Oktober vergangenen Jahres verstorbene Schriftsteller, Filmemacher, politische Aktivist und Nazijäger setzt sich in diesem in vier Tagen im Frühjahr 2010 rauschhaft diktierten Text mit seinem Vater auseinander – dem berüchtigten Erfolgsregisseur Veit Harlan, dessen Machwerk »Jud Süß« exemplarisch für die antisemitische Hetze der Nazis steht und der nach 1945 nahezu unbehelligt weiter Filme drehen konnte. Das Werk seines ältesten Sohns Thomas resultiert aus einer großen Absetzbewegung: angetrieben von einer tiefen Scham, mehr noch: von einem unbändigen Hass auf seinen Vater, auf die Nazis, die Mitläufer, die deutschen Verhältnisse. »Veit« überrascht, irritiert abermals – denn es ist auch ein Text der Zuneigung, ein Lamento für den Vater, ein Werben um Verständnis für die eigene Wut. Gleichzeitig nimmt Thomas Harlan nichts von dieser Wut, nichts von seinem schroffen Antifaschismus zurück. Vielmehr versucht er in immer neuen Anstrengungen sich selber Klarheit zu verschaffen, noch einmal Rechenschaft abzulegen: über die Liebe des Sohnes – seine Liebe –, über die Verlogenheit der Eltern, die ungesühnte Schuld seines Vaters, seine eigene freiwillige, unfreiwillig Verstrickung, die Verantwortung, die er nicht übernehmen muss, die er übernehmen will.
Der Regisseur Bernhard Jugel inszeniert »Veit« minimalistisch und vermag so, dessen Wucht zu entfalten. Er benötigt keine Meta-Ebene, keine Kommentare, keine Klanguntermalung. Dadurch wirkt der Text nackt – so nackt wie der Autor in seiner radikalen Offenheit – und zugleich präsent, geradezu unausweichlich. Jugel arbeitet heraus, dass »Veit« ein großer Trauergesang ist, voller Wiederholungen und Redundanzen, die alle nicht die Kluft zwischen Vater und Sohn zu überwinden vermögen.
Kongenial zur Seite steht dem Regisseur der Schauspieler Thomas Thieme. Er interpretiert den Text souverän, aber nicht abgeklärt. Das untergründige Brodeln, die tiefe Verzweifelung, auch die leicht verstörende Lakonik, wenn Harlan über die Unverfrorenheit der Altnazis nach 1945 spricht – all das macht Thieme in seinem nuancenreichen, aber niemals überspannten Vortrag deutlich. Er verleiht dem Text eine Würde, die man bei der Dringlichkeit, die sich in den Wortkaskaden artikuliert, nicht erwartet hätte."
Mitwirkende: Thomas Thieme
Preise / Auszeichnungen: Hörspiel des Monats 03 2011
Links: Mailformular für Ergänzungen zu diesem Titel
Druckausgabe (PDF)
Im freien Fall
Sendetermine: WDR Eins Live - Donnerstag, 17. Mai 2012 23:00 (Ursendung)
Autor(en): Robert Crais (USA *1953)
Produktion: WDR 2012 ca. 55 Min. (Stereo) - Bearbeitung Literatur
Genre(s): Krimi
Regisseur(e): Annette Kurth
Bearbeiter: Silke Hildebrandt
Übersetzer: Uwe Anton
Inhaltsangabe: Als dieses junge verschüchterte Ding in seinem Büro auftaucht, hat Elvis Cole noch keinen blassen Schimmer, auf was er sich da einlässt: Jennifer Sheridan ist überzeugt davon, dass ihr herzensguter Polizistenfreund entweder in irgendwas Illegales verstrickt ist oder eine Geliebte hat. Es ist jetzt Coles Job, das herauszufinden. Dabei bekommt der coole Detektiv mit dem Faible für Comics und asiatischen Kampfsport Unterstützung von Joe Pike, dem Mann, der nie seine Sonnenbrille abnimmt. Und das nicht nur wegen der Sonne Hollywoods. Gemeinsam schlagen sich die zwei Kämpfer der Gerechtigkeit durch einen Dschungel korrupter Cops, gewaltgeiler Straßengangs und selbstherrlicher Crackdealer.
Mitwirkende: Elvis Cole: Heikko Deutschmann
Joe Pike: Santiago Ziesmer
Jennifer Sheridan: Aenne Schwarz
Marc Thurman: Norman Matt
Eric Dees: Engelbert von Nordhausen
Ida Washington: Regina Lemnitz
Edward Washington: Florian Lukas
Ray Depentes: Reiner Schöne
Akeem D'Muere: Albert Kitzl
Lou Poitras: Alexander Radszun
Floy Riggens: Viktor Neumann
Rusty: Alexander Hauff
Links: Mailformular für Ergänzungen zu diesem Titel
Druckausgabe (PDF)
ARD Radio Tatort 52:
Ein klarer Fall
Sendetermine: RB 1 - Donnerstag, 17. Mai 2012 23:04
Autor(en): John von Düffel (BRD *1966)
Produktion: RB 2012 53 Min. (Stereo) - Originalhörspiel dt.
Genre(s): Krimi
Regisseur(e): Christiane Ohaus
Inhaltsangabe: Großer Fahndungserfolg für die Bremer Polizei: Mit Hilfe künstlicher DNA wird der Täter eines Tankstellenraubmords schnell überführt und inhaftiert. Zeit für Hauptkommissarin Evernich, ein paar Tage Urlaub zu nehmen und sich ihrem sterbenskranken Vater zu widmen. Doch kaum hat sie sich ausgeklinkt, wird der Inhaftierte tot in seiner Zelle gefunden. Selbstmord? Oder ein Mord unter Gefangenen? Evernichs Assistent Claas und Staatsanwalt Kurt Gröninger müssen in diesem Fall erstmals ohne die erfahrene Kommissarin auskommen. Dass sie einander nicht sonderlich mögen, ist dabei nicht einmal das größte Problem. Auch ihre Ermittlungsmethoden könnten unterschiedlicher nicht sein: Claas lässt sich undercover ins Gefängnis einschleusen und verfolgt eine heiße Spur unter den Insassen, während Gröninger bei seinen Nachforschungen immer größere Zweifel an der Schuld des toten Häftlings bekommt. Doch auch Evernich, die mit ansehen muss, wie der vermeintlich klare und öffentlichkeitswirksame Fall immer mehr ins Dickicht politischer und wirtschaftlicher Interessen gerät, erfährt am Sterbebett ihres Vaters ein dunkles Geheimnis ...
Mitwirkende: Claudia Evernich: Marion Breckwoldt
Dr. Kurt Gröninger: Markus Meyer
Claas Berding: Fritz Fenne
Dr. Hannes Köhler, Projektleiter SecurityDNA: Alexander Radszun
Dr. Elisabeth Michel, Rechtsmedizinerin: Ingeborg Kallweit
Wärter - Abteilungsleiter U-Strafvollzug: Michael Hanemann
Illing, U-Häftling: Martin Engler
Evernichs Vater: Hans-Michael Rehberg
Evernichs Mutter: Katharina Matz
Links: Mailformular für Ergänzungen zu diesem Titel
Druckausgabe (PDF)
Slouch Hat Comeback
Sendetermine: DLR - Freitag, 18. Mai 2012 00:05 Teil 1/2 (Ursendung)
Autor(en): Sam Auinger (Österreich *1956)
Budhaditya Chattopadhyay ()
Peter Cusack (Großbritannien *1948)
Chantal Dumas (Kanada *1959)
Stella Luncke (BRD *1974)
Bruce Odland (USA *1952)
Josef Maria Schäfers (BRD *1968)
Hannes Strobl ()
Produktion: DLR 2012 ca. 50 Min. (Stereo) -
Genre(s): Audio Art
Inhaltsangabe: Seinen ersten großen Kompositionsauftrag erhielt John Cage im Jahr 1942 für eine Hörspielmusik: "The City Wears a Slouch Hat" ("Die Stadt trägt Schlapphut") ist ein Text des Beatpoeten Kenneth Patchen. Der lässt eine allwissende, allmächtige Figur namens The Voice durch die Straßen von Chicago wandern. Cage entwarf eine ambitionierte Partitur für Großstadtgeräusche und elektronische Klänge - nur um wenige Tage vor der Ausstrahlung eine herbe Abfuhr zu erhalten: Seine Vorstellungen seien nicht realisierbar, hieß es im Columbia Broadcasting Studio, und so schrieb Cage in aller Eile eine Ersatzkomposition. Das ursprüngliche Manuskript ist verschollen, gibt aber immer wieder Anlass zu Spekulationen: Cage könnte hier den Grundstein für seine spätere Arbeit mit Stille und Zufall gelegt haben. Im Auftrag von Deutschlandradio Kultur imaginieren Audiokünstlerinnen und Audiokünstler der Gegenwart den Weg von The Voice durch Städte wie New York, Berlin und Bangalore.
Links: Externer Link Homepage Sam Auinger
Mailformular für Ergänzungen zu diesem Titel
Druckausgabe (PDF)
gestern | heute | morgen | 19. Mai | 20. Mai | 21. Mai | 22. Mai | 23. Mai | 24. Mai |

Als Liste