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Böll, Heinrich - Und sagte kein einziges Wort

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Heinrich Böll - Und sagte kein einziges Wort

Heinrich Bölls Roman erzählt vom Alltag der Nachkriegsjahre in einer großen deutschen Stadt, die Böll nach dem Modell des zerbombten Köln zeichnet. Vom Krieg sind noch viele Trümmer geblieben, aber längst gibt es wieder die Armen und die Reichen. Wie in vielen seiner frühen und auch späteren Erzählungen und Romane erzählt Böll mit vorurteilsloser Offenheit und Prägnanz von Begebenheiten und Umständen, die er so oder ähnlich selbst erlebt und erfahren hatte.

Fred Bogner, Telefonist bei einer kirchlichen Behörde, gilt als Trinker und leidet trotz einiger Nebenbeschäftigungen ständig unter Geldnot. Er lebt seit zwei Monaten von seiner Frau Käte und den Kindern getrennt. Dennoch liebt er sie; aber die Armut, "die wir seit Jahren einatmen wie weißen Staub, den man nicht schmeckt, nicht spürt", die Armut ist dabei, ihr gemeinsames Leben zu zerstören. Die zermürbende, zu Aggression führende Enge ihrer Unterkunft in nur einem einzigen Zimmer einer großen bürgerlichen Wohnung hat ihn zu diesem Ausbruch veranlasst. Ein schwelender Hass auf die Wohnungsbesitzer, die den weit größeren Teil der Wohnung für sich beanspruchen, macht sich breit. Die Zuweisung einer eigenen Wohnung ist nach sechsjährigem Bemühen an der Einflussnahme eines nachtragenden Pfarrers und der bigotten Vermieterin gescheitert.

Nach dem Krieg lebten viele Familien in beengten Lebensverhältnissen Als Fred, über sich selbst erschrocken, begonnen hatte, seine Kinder durch Strafen und sogar durch Schläge einzuschüchtern, ist er ausgezogen. Er treibt sich in der zerbombten Großstadt herum und versucht, seine Ehe notdürftig aufrechtzuerhalten. In schäbigen Imbissbuden und an Spielautomaten verbringt er viele Stunden des Tages. Langsam verwahrlost er. Er trauert um sein verdorbenes Leben.

Doch Fred und Käte lieben sich. So oft wie möglich verabreden sie sich, um sich zu treffen und miteinander zu schlafen, manchmal irgendwo draußen in "Parks oder in den Fluren zerstörter Häuser, tief im Zentrum der Stadt, wo wir sicher sein konnten, nicht überrascht zu werden".

Meistens jedoch treffen sie sich in billigen Hotelzimmern. Dafür muss Fred sich jedes Mal Geld pumpen. Eine Nacht in einem solchen Hotelzimmer in Bahnhofsnähe steht im Mittelpunkt des Romans, mit den Stunden davor und den ersten Stunden des neuen Tages danach. Freds und Kätes Gedanken, die der Autor abwechselt sprechen lässt, sind auf diese Nacht konzentriert.


Frauke Poolmann

es lesen: Daniel Minetti und Frauke Poolmann

Regie: Steffen Moratz
Produktion: MDR 2005

MDR Figaro - ab 2005-04-11 (12 Teile, Erstsendung)


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