Mensch wird erst am Du zum Ich
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Der Mensch wird erst am Du zum Ich - Zur Begründung der menschlichen Identität
Von Regine Kather
In der modernen Gesellschaft zeichnen sich zwei extrem gegenläufige Tendenzen ab: In den Städten leben immer mehr Menschen ohne familiäre Bindungen, als Single; gleichzeitig hat es noch nie so viele Ereignisse gegeben, in denen der Einzelne in einer manchmal fast rauschhaften Ekstase in der Masse aufgeht. Diese beunruhigende Entwicklung wurde erst seit der Neuzeit möglich, als der Einzelne aus der Ordnung der Natur und der sozialen Gemeinschaft heraustrat. Descartes war der erste, der mit der Begründung der Identität im denkenden Ich eine radikale Vereinzelung einleitete. Nur noch indirekt, durch Analogieschluss, so glauben viele Wissenschaftler bis heute, könne man überhaupt von der Existenz anderer Menschen wissen. Doch gerade wenn man diesen Ansatz in äußerster Konsequenz durchführt, wie es Sartre beispielhaft getan hat, zeigt sich: Der Versuch, sich nur aus sich selbst zu verstehen, muss scheitern. Der Andere, so betonen Jaspers, Löwith und Buber einhellig, wird erst »am Du zum Ich«. Diese Einsicht hat weitreichende Folgen für den Alltag: für Freundschaft und Liebe, das Berufsleben und nicht zuletzt den Schulunterricht.
- SWR2 RadioART - 2003-01-27
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