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Wer auf dem Tiger reitet, kann nicht herab

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Wer auf dem Tiger reitet, kann nicht herab - Gottfried Benns großer Nachkriegsruhm

Von Sigrun Anselm

Regie: Annette Berger
Produktion: RBB

Benn ist einer der großen Dichter des vorigen Jahrhunderts. Als Zeitgenosse war er umstritten, und als Freund muss er schwierig gewesen sein. Er gehört zu einer Generation, deren Erfahrungen, Erfahrungsbrüche, Enttäuschungen und Desillusionierungen für mehrere Leben gereicht hätten. Benn hat alle Metamorphosen der Zeit-, Gesellschafts- und Intellektuellenkritik mitgemacht, die vor der nationalsozialistischen Machtergreifung mit dem Reizwort Nihilismus umrissen wurden.

Den Nachkriegsruhm verdankt Benn zunächst seiner Prosa, seinen Essays und Szenen. Sie sind aggressiv und sarkastisch. Sein radikales Nein zu allen Halbheiten, die das Leben ausmachen, findet nach seiner kurzen und schnell zerstobenen Faschismusbegeisterung absolut nichts mehr, das ihm ein Ja erlaubt hätte. Die Lyrik stellt die andere Seite dieser Zivilisationsfeindschaft dar: Bilder von Traum und Rausch und die Feier der Einsamkeit. Nach dem Krieg schreibt Benn: „Das, was lebt, ist etwas anderes als das, was denkt, damit müssen wir uns abfinden.“ Eine Haltung, die im Nachkriegsdeutschland viel Zustimmung erfährt.


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