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Wir sind da! - Juden in Deutschland

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Inhaltsverzeichnis

Wir sind da! - Juden in Deutschland

Autor: Richard Chaim Schneider

Redaktion: Florian Quecke
Produktion: Bayerischer Rundfunk und Westdeutscher Rundfunk

Folge 1: Neuanfang

Nach Kriegsende lebten in Deutschland bis zu 200 000 jüdische Displaced Per-sons. Das sind Menschen, die von den Alliierten aus den Konzentrationslagern auf deutschem Boden befreit wurden und kein Zuhause mehr hatten. Zu ihnen zählen auch jüdische Flüchtlinge, die ihre osteuropäischen Heimatländer ver-lassen hatten, nachdem dort, wie etwa im polnischen Kielce, antisemitische Pogrome ausgebrochen waren. Sie lebten in DP-Camps, die meisten von ihnen konnten im Laufe der Jahre nach Palästina/Israel oder in die USA auswandern. Ein kleiner Rest von 15 000 Menschen bildete den Nukleus der neuen jüdi-schen Gemeinschaft in der Bundesrepublik.

WDR5 2002-03-17


Folge 2: Eine Republik voller Nazis?

Bundeskanzler Konrad Adenauer machte ausgerechnet Hans Globke, den Kommentator der Nürnberger Rassegesetze, zu seinem Staatssekretär. Einer von vielen Nazis, die nach dem Krieg wieder in dem deutschen Staatsdienst genommen wurden. In den 40er und 50er Jahren ging es aber auch darum, Nazis zu finden und sie zu bestrafen, ein Vorgang, den die Alliierten unmittelbar nach Kriegsende eingeführt hatten und den sie "Entnazifizierung" nannten. Es folgten zahlreiche NS-Prozesse. Die Entnazifierung gelang nur teilweise und hatte viele Lücken. So konnten sich viele Täter von einst bald aktiv am Wieder-aufbau der Bundesrepublik durchaus auch in gehobenen Positionen beteiligen.

WDR5 2002-03-24


Folge 3: Wiedergutmachung

Anfang der 50er Jahre begannen erste, geheime Kontakte zwischen der Bun-desrepublik Deutschland und dem Staat Israel bzw. internationalen jüdischen Organisationen. Adenauer hatte ein ehrliches Anliegen, den jüdischen Opfern des Nationalsozialismus zu Hilfe zu kommen und sie für ihr Leiden zumindest finanziell zu entschädigen. Gleichzeitig wusste Adenauer sehr gut, dass er ein "Wiedergutmachungsabkommen" brauchte, um die Bundesrepublik in der westlichen Staatengemeinschaft fest zu verankern. Es kam zum "Luxemburger Ab-kommen" und einigen weiteren Vereinbarungen.

WDR5 2002-03-31


Folge 4: Diplomatische Beziehungen?

Erst 1965 wurden offiziell diplomatische Beziehungen zwischen der Bundesre-publik Deutschland und Israel aufgenommen. Obwohl es längst Kontakte gab - geheime Waffenlieferungen Deutschlands an Israel, aber auch Waffenlieferun-gen Israels an die neugeschaffene Bundeswehr - , obwohl es durch die Wie-dergutmachungsabkommen erste wirtschaftliche Verbindungen gab, weigerte sich die Bundesrepublik lange Zeit, Israel diplomatisch anzuerkennen. Ihr stand die "Hallstein-Doktrin" im Wege: Es durften keine Schritte unternommen wer-den, die die DDR gestärkt hätten. Und die arabischen Staaten drohten, bei einer Anerkennung Israels sofort die DDR anzuerkennen...

WDR5 2002-04-07


Folge 5: Antizionismus = Antisemitismus?

Die 68er Generation probte den Aufstand, wie überall in der Welt. In Deutsch-land demonstrierten die Studenten allerdings auch noch gegen die NS-Vergangenheit ihrer Eltern und gegen die reaktionäre Stimmung der frühen Bundesrepublik. Man gab sich betont antifaschistisch. Doch als Israel 1967 den 6-Tage-Krieg gewann und das "Palästinenserproblem" geschaffen war, schwenkten entscheidende Teile der Linke um: Man wurde "anti-zionistisch" und vertuschte mit dieser Formulierung eigene antisemitische Denkmuster, die in der linken anti-israelischen Ideologie präsent und virulent waren.

WDR5 2002-04-14


Folge 6: Im besseren Deutschland

Der "Arbeiter- und Bauernstaat", das sozialistische Gegenmodell zur BRD, die DDR also, verstand sich aufgrund seiner Ideologie als antifaschistisches Boll-werk, das nichts, aber auch gar nichts mit der deutschen Nazi-Vergangenheit zu tun hatte. In den Reihen der SED gab es zahlreiche Funktionäre, die Juden waren, dennoch - gerade in der frühen stalinistischen Ära war das Leben der Juden in der DDR durchaus problematisch, selbst wenn man lange Zeit daran glaubte, hier, im anderen Teil Deutschlands, an einer besseren Zukunft mitar-beiten zu können. Die Juden in der DDR - sie waren, anders als in der BRD, durchwegs deutsche Juden, die als Kommunisten vor Hitler geflohen und schließlich nach dem Krieg in ihre Heimat zurückgekehrt waren.

WDR5 21. April 2002-04-21


Folge 7: Führt der Weg nach Washington über Jerusalem?

Spätestens in den 80er Jahren war es der SED-Führung unter Erich Honecker klar, dass die eigene Wirtschaft am Ende war. Man brauchte dringend die so-genannte Meistbegünstigungsklausel der USA, um überleben zu können. Um diese zu bekommen, so glaubte man in der Führungsriege, müsse man die Juden hofieren. Denn diese hätten in den USA das Sagen - ein altes antisemiti-sches Klischee. In diesem Sinne war die "Judenpolitik" der SED in ihrem letzten Jahrzehnt geprägt: Man versuchte sogar, Kontakt zum "imperialistischen, zionistischen Gebilde"- Israel - aufzunehmen.

WDR5 2002-04-28


Folge 8: Zurück in die Zukunft?

Nach der Wiedervereinigung brachen in ganz Deutschland rechtsextremistische Gewalttaten aus. Rostock, Mölln, Solingen stehen stellvertretend für viele andere Orte, in denen es zu Übergriffen kam. Für Juden wurde Deutschland zu-nächst einmal unwägbar: Die Vereinigung zu einem neuen "Groß-Deutschland" löste viele Ängste aus. Gleichzeitig kam es aber auch zu einer Vereinigung der Juden in West- und Ostdeutschland, mit teilweise ähnlichen Problemen wie in der restlichen Bevölkerung. Die Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion begann allmählich, das Gefüge der jüdischen Gemeinschaft grundlegend zu verändern.

WDR5 2002-05-05


Folge 9: Das Ende der Nachkriegszeit?

Das vereinte Deutschland begann alsbald, seine neue Identität zu suchen. Das Wort vom "Ende der Nachkriegszeit" wurde geprägt - als ob man die Vergan-genheit beenden könnte, um endlich zu einer neuen, stolzen deutschen Identität gelangen zu können. Helmut Kohl hatte schon vorher von der "Gnade der spä-ten Geburt" gesprochen und sich mit dem US-Präsidenten versöhnt, ausge-rechnet vor Gräbern der SS. In diesem neuen geistigen Klima mussten sich die jüdischen Gemeinden mit ihren inneren Problemen, aber auch mit der Suche nach einer eigenen Zukunft in diesem Land auseinandersetzen.

WDR5 2002-05-12


Folge 10: Jüdische Deutsche in einer neuen Republik?

Bislang bezeichneten sich die Juden in Deutschland stets als "Juden in Deutschland". Allmählich, in der dritten Generation, aber auch in ersten theore-tischen Diskussionen der Zweiten Generation, wird darüber nachgedacht, ob man nicht wieder "deutsche Juden" sagen könne - eine Formulierung, die eine politische und kulturelle Identifizierung mit Deutschland andeutet, die vor 55 Jahren undenkbar gewesen wäre. Doch die Entwicklungen in Deutschland las-sen diese Entscheidung einstweilen nicht zu: Der Bubis-Walser-Streit zeigte nur zu deutlich, welche Stimmung im Lande noch herrscht. Und die Gewalt von Neo-Nazis, die Anschläge auf Synagogen und jüdische Friedhöfe, vor allem aber die ewig gleichen Lippenbekenntnisse der Politiker, die nur wenig Taten folgen lassen gegen Rechts, machen die Zukunftsaussichten für Juden in Deutschland düster.

WDR5 2002-05-19

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